…wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät?!
Und dann startet der Tag. Auslaufen ist ab neun Uhr OK, so stehen wir recht normal auf und ich düse noch zum M&S Supermarkt und besorge uns Brötchen, die wir unterwegs für das Frühstück schmieren wollen. Dann noch den Kaffee kochen und ab geht es. Ich melde uns bei Dover VTS an und wir dürfen sofort durch das Westgate mit Kurs Calais auslaufen.
…who's the boss?
Heute steht zum einen die Querung der Grenze zwischen Atlantik und Nordsee an. Dazu segeln wir zurück zum Festland und es sind vier Windstärken hoch am Wind angesagt, mit einem Winddreher, der uns über Tag nach Dünkirchen bringen soll.
Beim Setzen des Großsegels im Vorhafen von Dover entscheiden wir uns für das zweite Reff im Großsegel und verkleinern es ordentlich. Ich habe es noch im Hafen vorher etwas anders am Großbaum gebunden und so stand unser Segel deutlich besser. Dann rauschen wir aus dem Hafen, rollen die Fock aus und der Tanz vor dem Hafen von Dover beginnt. Es geht direkt mit kreuz und quer laufenden Wellen los, dazu eine steife Brise, die uns aber gut den geplanten Kurs einschlagen lässt. Nicole geht dann nach dem Verlassen des Hafens unter Deck, um das Frühstück zu machen. Dafür klemmt sie sich zwischen Küche, Motorblock und Navigationstisch ein und bereitet leckere Brötchen vor. Aber es ist eher ein Kampf, das alles hinzubekommen und dabei auch fit zu bleiben, denn unter Deck fühlen sich die Wellen und die Geräusche des Bootes um ein Vielfaches schlimmer an.
…wenn der Kaffee beim Trinken aus der Kaffeetasse geweht wird
So geht es weiter und dann stehen wir an der virtuellen Bordsteinkante der Großschifffahrtsstraße. Das ist ein bisschen wie eine Autobahn zu Fuß zu queren. Die Geschwindigkeitsunterschiede sind im Verhältnis ähnlich. Nicole geht immer wieder unter Deck und holt mir vom AIS-Monitor die Rufzeichen der Frachter. So kann ich sie auf dem internationalen Verständigungskanal VHF 16 anfunken und fragen, ob sie vor oder hinter uns vorbeifahren. Es ist zum Glück recht ruhig und wir müssen in erster Linie auf einen riesigen Containefrachter achten und können einen polnischer Windjammer anschauen, der unter Maschine gegen den Wind fährt. Die Wellen werden dann in dem Fahrwasser Kurs Dünkirchen höher und wilder, denn der Tidenstrom nimmt immer weiter zu. Das heißt, dass der Strom gegen den Wind und damit die Wellen läuft und die sich höher auftürmen. Jetzt müssen wir nur noch auf die Fähren achten, die hier das Fahrwasser entlang rasen.
Wir beide sind mittlerweile von dem Geheule des Windes und dem ständigen auf und ab des Idefix durch die Wellen gerädert und wir wollen nur noch ankommen.
Irgendwann müssten wir auch noch kreuzen und ab dem Zeitpunkt mache ich die Maschine an und wir dampfen nur noch mit dem Großsegel dazu weiter. Gegen 19 Uhr laufen wir in Dünkirchen ein und sind froh, dass wir am Morgen noch telefonisch eine Box zugewiesen bekommen haben. Für den Bezahlvorgang mit Handy muss ich mich auf den Steg setzen, denn meine Beine wackeln noch vom ganzen Tag.
Jetzt gibt es noch etwas leckeres zu Essen, eine Dusche und dann eine Koje.



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